Einsam thront die Königin der Dunkelheit, ihr Reich ein endloser Schleier aus Nacht. Gewoben aus den Fäden verlorener Träume, durchwirkt mit dem Glanz zerbrochener Sterne. Ihr Palast, ein Gebilde aus Obsidian und Schweigen, erhebt sich majestätisch inmitten der Leere. Kein Laut dringt durch die dicken Mauern, kein Lichtstrahl durchbricht die ewige Finsternis.
Dort nur, in den Tiefen ihres Herzens, pulsiert ein Kern aus reinster Schwärze. Ein Abgrund, der alles verschlingt, was sich ihm nähert. Hoffnung, Freude, Liebe – all diese flüchtigen Emotionen verglühen in seiner unerbittlichen Präsenz. Sie ist die Verkörperung des Nichts, die Herrin über die Leere, die Gebieterin der Schatten.
So fragen wir uns, warum sie herrscht. Warum nur, webt sie ihr Netz aus Dunkelheit, wenn doch gleich alles in ihr zu Staub zerfällt? Müsste sie nicht erlöschen, sich auflösen, in einem Akt der Selbstaufgabe, um dem endlosen Kreislauf der Vernichtung zu entkommen?
Sie tut dies nicht, denn sie weiß, dass sie das Einzige ist, was die Dualität des Seins manifestiert. Sie nur, steht als Gegenpol zum Licht, als Spiegelbild der strahlenden Helligkeit. Als Echo in der Stille. Als Frage nach dem Sinn, der sich im Unsinn verbirgt. Und weil sie dies weiß, tanzt sie ewiglich mit den Sternen. Sie umarmt sie nicht, denn wie nur könnte sie es. Sie würde als Gleichheit von zwei Teilen ebenso nur die Dunkelheit nähren. So ist sie einfach nur und akzeptiert das Sein des Lichts. Im Ozean der Unendlichkeit ist sie die eine Welle, die sich gegen den Strom erhebt. Und weil sie um ihre Aufgabe weiß, hält sie sich an der Dunkelheit fest. Als Symbol einer anderen Art von Schönheit.
Die Ironie des Ganzen aber ist, dass sie kein Mitleid kennt. Sie ist einfach so und überlässt das Fühlen den Anderen. Und obwohl sie Großes tut, im Spiegel des Selben, so kennt sie auch keine Reue. So ist sie wie erschaffen, mit Macht, mit Kälte, mit Strenge und Härte für etwas Größeres, dem sie dient, ohne sich selbst darüber zu erheben.
Dem Glanz der hellsten Sterne ist diese düstere Herrschaft egal. Dem höheren Ziel ist das Leiden nicht wichtig, denn es dient einer größeren Balance. So hat alles seinen Platz und existiert aneinander und nebeneinander. In Harmonie, so könnte man sagen, in Disharmonie sogar, und doch nur in Koexistenz. Die Schwäche neben der Stärke. Die Dunkelheit neben dem Licht. Die Verzweiflung neben der Hoffnung. Der Ort aber solcher Existenz ist mit Nichten festgelegt. Ist es real ein Palast aus Obsidian oder nur ein Inneres, das dies Bild erschafft. Es ist die Entscheidung, welchen Dämon der Angst oder der Mut wir nähren.
Manche mögen sie fürchten, diese Königin der Dunkelheit. Sie sehen in ihr nur das Böse, das Zerstörerische, das Unheilvolle. Doch sie ist mehr als das. Sie ist die Stille, die uns erlaubt, unsere innere Stimme zu hören. Sie ist die Leere, die Raum für Neues schafft. Sie ist die Dunkelheit, die uns lehrt, das Licht zu schätzen.
Sie ist die Hüterin der Geheimnisse, die Bewahrerin der verborgenen Wahrheiten. In ihren Augen spiegelt sich die Unendlichkeit des Universums, in ihrem Herzen schlägt der Puls der Ewigkeit. Sie ist die Verkörperung der Nacht, die Mutter der Träume, die Königin der Schatten.
Und sie lädt uns ein, in ihr Reich einzutreten. Nicht, um uns zu verlieren, sondern um uns selbst zu finden. Um unsere Ängste zu konfrontieren, unsere Zweifel zu überwinden und unsere innere Stärke zu entdecken. Denn in der Dunkelheit, so heißt es, leuchten die Sterne am hellsten.
Was wählst Du?
Licht oder Schatten?
Bruno Schelig
Seit 2012 bin ich als freischaffender Autor tätig und habe in diesem Jahr mein erstes Buch veröffentlicht. Über die Jahre hinweg habe ich verschiedene Blogs und Webseiten betrieben, bis ich schließlich hier angekommen bin – ein Ort, an dem ich bleiben möchte. Als Freidenker scheue ich mich nicht davor, auch kontroverse oder wenig populäre Themen aufzugreifen.
Meine Leidenschaft gilt dem Schreiben in all seinen Facetten: Gedichte, Kurzgeschichten, ganze Bücher – all das findet hier auf meinem Blog seinen Platz. Neben der kreativen Schriftstellerei widme ich mich Themen wie Online-Marketing, Psychologie, Mythologie und der Theorie des Schreibens.
Für mich bedeutet Schreiben, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen und jedem Thema eine angemessene Stimme zu verleihen. Es ist diese Vielseitigkeit und persönliche Note, die meine Arbeit ausmacht und mir immer wieder neue Wege eröffnet.