Psychopharmaka sind aus der modernen Behandlung psychischer Erkrankungen nicht mehr wegzudenken. Sie können bei einer Vielzahl von Beschwerden helfen – von Depressionen und Angststörungen bis hin zu Schizophrenie und bipolaren Störungen.
Doch welche Psychopharmaka werden eigentlich am häufigsten verschrieben? Welche Medikamente sind die “Top-Player” in diesem Bereich? Und was genau bewirken sie?
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die am häufigsten verwendeten Psychopharmaka. Wir werden ihre Wirkungsweisen, Anwendungsgebiete und mögliche Nebenwirkungen beleuchten.
Wichtiger Hinweis vorab:
Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Die Wahl des richtigen Psychopharmakons ist immer eine individuelle Entscheidung, die von einem Arzt (in der Regel einem Psychiater) getroffen werden muss. Die hier genannten Informationen sollen dir lediglich einen Überblick verschaffen und dir helfen, das Thema besser zu verstehen.
Die “Top-Liste” der Psychopharmaka
Es ist wichtig zu betonen, dass sich die “Rangliste” der am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka je nach Land, Region und Gesundheitssystem unterscheiden kann. Auch die Verfügbarkeit neuer Medikamente und veränderte Behandlungsleitlinien können Einfluss darauf haben.
Dennoch gibt es einige Medikamente, die sich über die Jahre hinweg als besonders häufig verordnet etabliert haben. Dazu gehören:
- Antidepressiva:Antidepressiva sind wahrscheinlich die bekannteste Gruppe der Psychopharmaka. Sie werden hauptsächlich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, können aber auch bei anderen Erkrankungen wie Angststörungen, Zwangsstörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und chronischen Schmerzen hilfreich sein.
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): SSRI sind die am häufigsten verschriebenen Antidepressiva. Sie wirken, indem sie die Wiederaufnahme des Neurotransmitters Serotonin im Gehirn hemmen. Dadurch steht mehr Serotonin zur Verfügung, was stimmungsaufhellend, angstlösend und antriebssteigernd wirken kann.
- Beispiele: Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin
- Häufige Nebenwirkungen: Übelkeit, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Gewichtszunahme
- Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI): SNRI wirken ähnlich wie SSRI, hemmen aber zusätzlich die Wiederaufnahme von Noradrenalin. Dies kann bei manchen Patienten zu einer stärkeren Antriebssteigerung führen.
- Beispiele: Venlafaxin, Duloxetin, Milnacipran
- Häufige Nebenwirkungen: Ähnlich wie SSRI, zusätzlich möglicherweise Blutdruckanstieg
- Trizyklische Antidepressiva (TZA): TZA sind ältere Antidepressiva, die heute seltener verschrieben werden, da sie mehr Nebenwirkungen haben können als SSRI und SNRI. Sie wirken auf verschiedene Neurotransmittersysteme im Gehirn.
- Beispiele: Amitriptylin, Clomipramin, Doxepin, Imipramin, Nortriptylin
- Häufige Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwindel, Benommenheit, Gewichtszunahme, Herzrhythmusstörungen
- Andere Antidepressiva: Es gibt noch weitere Antidepressiva mit unterschiedlichen Wirkmechanismen, die je nach individueller Situation eingesetzt werden können.
- Beispiele: Bupropion, Mirtazapin, Trazodon, Agomelatin
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): SSRI sind die am häufigsten verschriebenen Antidepressiva. Sie wirken, indem sie die Wiederaufnahme des Neurotransmitters Serotonin im Gehirn hemmen. Dadurch steht mehr Serotonin zur Verfügung, was stimmungsaufhellend, angstlösend und antriebssteigernd wirken kann.
- Anxiolytika (Angstlöser) und Hypnotika (Schlafmittel):Diese Medikamente werden zur Behandlung von Angststörungen und Schlafstörungen eingesetzt. Sie wirken beruhigend, angstlösend und schlaffördernd.
- Benzodiazepine: Benzodiazepine sind sehr wirksame Angstlöser und Schlafmittel, haben aber ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Sie sollten daher nur kurzfristig und unter strenger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.
- Beispiele: Diazepam, Lorazepam, Alprazolam, Oxazepam, Bromazepam
- Häufige Nebenwirkungen: Müdigkeit, Benommenheit, Konzentrationsstörungen, Muskelschwäche, Abhängigkeit
- Nicht-Benzodiazepin-Hypnotika (“Z-Drugs”): Diese Medikamente wirken ähnlich wie Benzodiazepine, haben aber ein etwas geringeres Abhängigkeitspotenzial. Sie werden hauptsächlich als Schlafmittel eingesetzt.
- Beispiele: Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon
- Häufige Nebenwirkungen: Müdigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel
- Andere Anxiolytika/Hypnotika: Es gibt noch weitere Medikamente, die bei Angststörungen und Schlafstörungen eingesetzt werden können, z.B. Buspiron, Pregabalin, Antihistaminika.
- Benzodiazepine: Benzodiazepine sind sehr wirksame Angstlöser und Schlafmittel, haben aber ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Sie sollten daher nur kurzfristig und unter strenger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.
- Antipsychotika (Neuroleptika):Antipsychotika werden hauptsächlich zur Behandlung von Psychosen (z.B. Schizophrenie, bipolare Störung mit psychotischen Symptomen) eingesetzt. Sie können Wahnvorstellungen, Halluzinationen und andere psychotische Symptome reduzieren.
- Typische (klassische) Antipsychotika: Diese älteren Antipsychotika wirken vor allem auf den Neurotransmitter Dopamin. Sie können starke Nebenwirkungen haben, insbesondere Bewegungsstörungen.
- Beispiele: Haloperidol, Flupentixol, Chlorpromazin
- Häufige Nebenwirkungen: Bewegungsstörungen (z.B. Zittern, Steifigkeit, unwillkürliche Bewegungen), Müdigkeit, Gewichtszunahme
- Atypische (moderne) Antipsychotika: Diese neueren Antipsychotika wirken auf verschiedene Neurotransmittersysteme und haben in der Regel weniger Bewegungsstörungen als typische Antipsychotika.
- Beispiele: Risperidon, Olanzapin, Quetiapin, Aripiprazol, Clozapin
- Häufige Nebenwirkungen: Gewichtszunahme, Müdigkeit, Stoffwechselstörungen (z.B. Diabetes), erhöhte Blutfettwerte
- Typische (klassische) Antipsychotika: Diese älteren Antipsychotika wirken vor allem auf den Neurotransmitter Dopamin. Sie können starke Nebenwirkungen haben, insbesondere Bewegungsstörungen.
- Stimmungsstabilisierer:Stimmungsstabilisierer werden hauptsächlich zur Behandlung von bipolaren Störungen eingesetzt. Sie können Stimmungsschwankungen reduzieren und sowohl manische als auch depressive Phasen verhindern.
- Lithium: Lithium ist ein sehr wirksamer Stimmungsstabilisierer, erfordert aber eine engmaschige Überwachung der Blutspiegel, da es in zu hohen Dosen giftig sein kann.
- Häufige Nebenwirkungen: Übelkeit, Durchfall, Zittern, Gewichtszunahme, Durst, vermehrte Harnausscheidung
- Antikonvulsiva (Antiepileptika): Einige Antikonvulsiva, die eigentlich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurden, haben auch eine stimmungsstabilisierende Wirkung.
- Beispiele: Valproinsäure, Lamotrigin, Carbamazepin
- Häufige Nebenwirkungen: Je nach Medikament unterschiedlich, z.B. Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Hautausschläge
- Lithium: Lithium ist ein sehr wirksamer Stimmungsstabilisierer, erfordert aber eine engmaschige Überwachung der Blutspiegel, da es in zu hohen Dosen giftig sein kann.
Die Bedeutung der individuellen Behandlung
Es ist wichtig zu betonen, dass die hier genannten Medikamente nur eine Auswahl der am häufigsten verwendeten Psychopharmaka darstellen. Es gibt noch viele weitere Medikamente, die in bestimmten Situationen eingesetzt werden können.
Die Wahl des richtigen Medikaments ist immer eine individuelle Entscheidung, die von einem Arzt getroffen werden muss. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, z.B.:
- Die Art und Schwere der Erkrankung
- Die individuellen Symptome
- Mögliche Begleiterkrankungen
- Vorherige Behandlungen
- Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
- Die individuellen Vorlieben und Bedürfnisse des Patienten
Zusammenarbeit mit dem Arzt ist entscheidend
Wenn dir ein Psychopharmakon verschrieben wurde, ist es wichtig, eng mit deinem Arzt zusammenzuarbeiten. Stelle Fragen, wenn du etwas nicht verstehst. Sprich offen über deine Ängste und Bedenken. Informiere deinen Arzt über alle Veränderungen, die du bemerkst – sowohl positive als auch negative.
Nur so kann dein Arzt die Behandlung optimal auf dich abstimmen und sicherstellen, dass du das Medikament bekommst, das dir am besten hilft – mit möglichst wenig Nebenwirkungen.
Bruno Schelig
Seit 2012 bin ich als freischaffender Autor tätig und habe in diesem Jahr mein erstes Buch veröffentlicht. Über die Jahre hinweg habe ich verschiedene Blogs und Webseiten betrieben, bis ich schließlich hier angekommen bin – ein Ort, an dem ich bleiben möchte. Als Freidenker scheue ich mich nicht davor, auch kontroverse oder wenig populäre Themen aufzugreifen.
Meine Leidenschaft gilt dem Schreiben in all seinen Facetten: Gedichte, Kurzgeschichten, ganze Bücher – all das findet hier auf meinem Blog seinen Platz. Neben der kreativen Schriftstellerei widme ich mich Themen wie Online-Marketing, Psychologie, Mythologie und der Theorie des Schreibens.
Für mich bedeutet Schreiben, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen und jedem Thema eine angemessene Stimme zu verleihen. Es ist diese Vielseitigkeit und persönliche Note, die meine Arbeit ausmacht und mir immer wieder neue Wege eröffnet.