Ewigkeits Fluch

(Aus den Schatten der Unsterblichkeit)

Dreihundert Winter sah ich zieh’n,
Die Zeit, sie eilt an mir dahin.
In dunkler Nacht, im Mondenschein,
Muss ich ein ewig Wandrer sein.

Das warme Blut in fremden Adern,
Lässt mich mit meinem Schicksal hadern.
Ein Fluch, der niemals von mir weicht,
Der durch die Jahrhunderte schleicht.

Die Menschen kommen, Menschen geh’n,
Ich muss sie alle sterben seh’n.
Was sterblich ist, vergeht so schnell,
Nur ich bleib’ ewig jung und hell.

In Spiegeln seh’ ich nicht mein Bild,
Die Zeit steht still, bleibt unerfüllt.
Die Sonne meid’ ich Tag für Tag,
Weil sie mich nicht mehr wärmen mag.

In Samthüllen und dunkler Pracht,
Durchstreif’ ich einsam jede Nacht.
Die Moderne fremd und kalt,
Macht vor mir dennoch nicht halt.

Ich trug einst Rüstung, später Frack,
Nun Jeans und einen Ledersack.
Die Zeiten ändern sich geschwind,
Ich bleibe ewig Nachtens Kind.

Was ist schon Unsterblichkeit?
Ein Kerker aus Beständigkeit!
Kein warmer Kuss, kein Herzschlag mehr,
Die Seele längst von Liebe leer.

Doch manchmal, wenn der Mond so scheint,
Das Herz vor Einsamkeit fast weint,
Erinnr’ ich mich an jene Nacht,
Die mich zum Schattenwesen macht’.

Ihr Sterblichen, so kurz eur’ Zeit,
Beklagt nicht die Vergänglichkeit!
Denn besser ist’s zu leben kurz,
Als ewig tragen diesen Sturz.

So wandle ich durch Zeit und Raum,
Gefangen in dem ew’gen Traum.
Der Tod, er meidet meinen Pfad,
Verdammt zu dieser dunklen Gnad’.

In Büchern les’ ich von dem Glück,
Seh’ auf Jahrhunderte zurück.
Und warte still auf jenen Tag,
Der Erlösung bringen mag.

Bis dahin bleib’ ich, was ich bin:
Ein Schatten zwischen Dort und Hin.
Unsterblich, ewig, niemals frei –
Ein Fluch, der niemals geht vorbei.

Author Profile
Bruno Schelig

Seit 2012 bin ich als freischaffender Autor tätig und habe in diesem Jahr mein erstes Buch veröffentlicht. Über die Jahre hinweg habe ich verschiedene Blogs und Webseiten betrieben, bis ich schließlich hier angekommen bin – ein Ort, an dem ich bleiben möchte. Als Freidenker scheue ich mich nicht davor, auch kontroverse oder wenig populäre Themen aufzugreifen.

Meine Leidenschaft gilt dem Schreiben in all seinen Facetten: Gedichte, Kurzgeschichten, ganze Bücher – all das findet hier auf meinem Blog seinen Platz. Neben der kreativen Schriftstellerei widme ich mich Themen wie Online-Marketing, Psychologie, Mythologie und der Theorie des Schreibens.

Für mich bedeutet Schreiben, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen und jedem Thema eine angemessene Stimme zu verleihen. Es ist diese Vielseitigkeit und persönliche Note, die meine Arbeit ausmacht und mir immer wieder neue Wege eröffnet.

Author: Bruno Schelig

Seit 2012 bin ich als freischaffender Autor tätig und habe in diesem Jahr mein erstes Buch veröffentlicht. Über die Jahre hinweg habe ich verschiedene Blogs und Webseiten betrieben, bis ich schließlich hier angekommen bin – ein Ort, an dem ich bleiben möchte. Als Freidenker scheue ich mich nicht davor, auch kontroverse oder wenig populäre Themen aufzugreifen. Meine Leidenschaft gilt dem Schreiben in all seinen Facetten: Gedichte, Kurzgeschichten, ganze Bücher – all das findet hier auf meinem Blog seinen Platz. Neben der kreativen Schriftstellerei widme ich mich Themen wie Online-Marketing, Psychologie, Mythologie und der Theorie des Schreibens. Für mich bedeutet Schreiben, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen und jedem Thema eine angemessene Stimme zu verleihen. Es ist diese Vielseitigkeit und persönliche Note, die meine Arbeit ausmacht und mir immer wieder neue Wege eröffnet.

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